04.12.2016 Wasserball Wasserball

Spielbericht vom Spiel Poseidon Hamburg vs. SV Cannstatt

Statt „Rudolph the Red-Nosed Reindeer“ die rote Laterne: Der SV Cannstatt rutscht nach der 4:14 (0:3; 2:3; 2:4; 0:4) Klatsche beim Aufsteiger Poseidon Hamburg ab und ist über die Weihnachtspause Tabellenschlusslicht der B-Gruppe der Deutschen Wasserball-Liga.


Der SV Cannstatt war nur mit einer Rumpftruppe an die Elbe gereist, musste gleich auf 4 Feldspieler verzichten. Dass der gesperrte Uros Fabic und der beruflich verhinderte Marton Sarosi fehlen würden, stand schon länger fest. Kurzfristig sagten auch noch Julius Wörn und Robin Rüdt ab, so dass SVC-Coach Jovan Radojevic nur mit 10 Spielern an die Elbe reiste. Dennoch ist das Ergebnis in dieser Höhe kaum entschuldbar.

Immerhin hatte Radojevic vor der Begegnung noch darauf hingewiesen, dass man im Training versucht habe, an den Defiziten der vergangenen Wochen zu arbeiten. Schwerpunkte seien „unsere Konzentrationsschwäche zum Auftakt und das schlechte Überzahlspiel“ gewesen, so Radojevic. Doch von einer Verbesserung war in Hamburg wenig zu sehen. Zwar konnten die Cannstatter immerhin 3 von 4 Treffern im Zusammenhang mit Überzahlsituationen erzielen, waren aber dafür im regulären Angriff völlig harmlos.

Auch das Ziel, im ersten Spielviertel nicht deutlich ins Hintertreffen zu geraten, wurde verfehlt. Ein 0:4 Rückstand zur ersten Viertelpause spricht Bände. Zwar konnten die Cannstatter die beiden mittleren Spielviertel wenigstens halbwegs ausgeglichen gestalten, dafür brach die SVC-Abwehr im Schlussabschnitt völlig zusammen. Der Cannstatter „Kindergarten“, mit einem Altersschnitt von stark 20 Jahren die mit Abstand jüngste Mannschaft der B-Gruppe ist offensichtlich (noch) überfordert, das Fehlen von zwei routinierten Spielern wie Uros Fabic und Marton Sarosi wiegt da doppelt. Eine detaillierte Spielanalyse zeigt aber auch eine weitere Reihe von Baustellen: Die Abwehr ist alles andere als sattelfest, Torhüter Milan Markovics hat selten wirkliche Glanzpunkte, kann die Fehler seiner Vorderleute nicht ausgleichen. Erschwerend kommt hinzu, dass der Ausfall von Centerverteidiger Uros Fabic die Cannstatter zu einer Umstellung in der Verteidigung zwingt. Statt einer Manndeckung im Rückraum muss nun eine Zonendeckung gespielt werden, was den Rückraumspielern der Gegner Schussoptionen eröffnet. Aber auch im Angriff fehlen dem SVC die nötigen Druckmittel. Die Nachwuchsspieler trauen sich noch zu selten einen Angriff mit einem Torschuss abzuschließen, das Spiel der Cannstatter wirkt auch oft zu statisch, was der gegnerischen Abwehr aber gerade gegen die körperlich unterlegen Cannstatter Nachwuchsspieler die Möglichkeit gibt, sich zu formieren.

Cannstatts Coach Jovan Radojevic dürfte also in der Weihnachtspause eine ganze Reihe von Baustellen haben, die bearbeitet werden müssen. Gelingt ihm das nicht, sind allerdings erhebliche Zweifel angebracht, ob der SVC nochmals wie zum Ende der letzten Saison das Abstiegsgespenst mit einem Gewaltakt und der Reaktivierung aller Kräfte bannen kann. In diesem Fall könnte sich sogar der Klassenerhalt des Vorjahrs als Pyrrhussieg herausstellen, weil dem SVC-Nachwuchs eine Saison in der schwächeren zweiten Liga sicherlich in der Entwicklung weitergeholfen hätte.

Tore SV Cannstatt: Deni Cerniar (2), Milosav Aleksic, Tim Kraut